Bert Kaempfert

Four Hits On 45 rpm

Mit einer Bert-Kaempfert-Scheibe begann die kleine Serie von image-LPs. Und zur Feier des Zehnjährigen von image hifi haben wir uns den Spaß erlaubt, vier der besten Songs dieses Albums noch einmal aufzulegen. Die Platte trägt die Nummer 007 – was man durchaus als Warnung verstehen könnte...

Ein Erstlingswerk und seine Folgen

Auch wenn seit dem Erscheinen der Collection Of 14 Unforgetable Master Recordings bereits sieben Jahre (der Artikel wurde Ende 2004 verfasst) vergangen sind, bekommen die Kolleginnen im Verlag immer noch mal Bestelllungen für die erste LP auf ihren Schreibtisch. Aber das „grüne Album“ ist seit langem ausverkauft. Kein Wunder also, wenn das image-Erstlingswerk auf dem Gebrauchtmarkt deutlich über dem Neupreis gehandelt wird. Als wir in trauter Runde etwaige Aktivitäten im Umfeld des Jubiläumsheftes planten, kam daher auch schnell der Vorschlag einer Wiederauflage aufs Tapet, wurde aber genau so schnell wieder verworfen. Obwohl wir für diese Scheibe nie mit dem vermeintlich verkaufsfördernden Argument „limitiert“ – was ist dann erst unter dem allerorten zu hörenden „streng limitiert“ zu verstehen? – geworben haben, wäre uns eine Nachpressung doch ein wenig wie ein Selbst-Plagiat vorgekommen. Wir entschieden deshalb nahezu einstimmig, uns auf das Paul-Kuhn-Projekt zu konzentrieren. Aber zwischen Aufnahme und Abmischung von Live in Weinheim kam image-Geschäftsführer Thomas Zimmermann plötzlich die eigentlich grandiose Idee, einige der schönsten Kaempfert-Songs – über „die schönsten“ war bei der stimmigen Auswahl des Albums einfach kein Konsens zu erzielen – auf einer 45er herauszubringen. Das „eigentlich“ gibt hier übrigens allein die Sicht des Autors wieder, dem die Aufgabe zufiel, sich um die Wiederauflage zu kümmern.

Die Herausforderung

Die Vorgabe der von dem Vorhaben durch die Bank begeisterten Kollegen war eindeutig: Die Maxi habe das ganz vorzüglich klingende Album noch einmal zu übertreffen und selbstverständlich mit dem Erscheinen des Jubiläumsheftes verfügbar zu sein. Letzteres sollte eigentlich kein Problem darstellen: Unter einem gewissen Termindruck zu arbeiten, haben mich spätestens die letzten zehn Jahre bei image hifi gelehrt. Doch hatte ich meine wenigen bisherigen Erfahrungen in puncto Lizenzvergabe durchweg mit kleineren Labels gemacht, wo meist der kleine Dienstweg zum Ziel führte. Bei einem internationalen Star wie Bert Kaempfert sieht man sich da schon komplizierteren Strukturen gegenüber: Die Rechte an seinen Werk liegen zum einem Teil bei Bert Kaempfert Music, wo die Tochter des Arrangeurs und Komponisten, Doris Kaempfert, unsere Collection erfreulicherweise noch in so guter Erinnerung hatte, dass sie auch das neue Projekt spontan befürwortete, und zum anderen beim Musik-Multi Universal. Um es kurz zu machen: Nach einigen Missverständnissen erreichte mich die telefonische Freigabe des Managers Licensing & Clearances gerade noch rechtzeitig – im Emil-Berliner-Studio im Schneideraum Willem Makkees, wo die Mastertapes für den Umschnitt schon bereitlagen.

Klangliche Erwägungen

Beim wiederholten Hören der Collection für die Song-Auswahl schwante mir dann, wie schwierig der zweite Teil der kollegialen Vorgabe zu erfüllen war: Das bestehende Album klingt einfach unverschämt gut. Was sollte man da noch verbessern? Nun gut, der Umschnitt auf eine schneller rotierende Folie dürfte ein wenig mehr Pegel und auch einen Hauch mehr Dynamik bringen. Aber würde das ausreichen? Bei „Swinging Safari“ hatten sich die damals verantwortlichen Kollegen nach einigen Versuchen für den moderaten Einsatz eine Tiefton-Filters entschieden. Den könnte man natürlich weglassen, was das ein oder andere Dezibel mehr Bass zur Folge hätte und auch nahezu subsonische Rauminformationen aus der Musikhalle Hamburg in die Rillen bannte. Bei soviel Purismus stört dann nur noch das Production-Tape. Das war zwar für die Kompilation unumgänglich, da man eine Schneidemaschine während des Überspielvorgangs nicht anhalten kann und daher alle sieben Songs einer Plattenseite in der richtigen Reihenfolge an einem Stück benötigt. Bei ein wenig Flexibilität bei der Auswahl der gerade mal vier Titel für eine Maxi müsste ein Production-Tape aber gewiss zu umgehen sein. Wenn man beispielsweise einen Song pro Seite festlegt und sich dann für ein Stück entscheidet, das sich auf dem Originalband unmittelbar davor oder dahinter befindet, kommt man ohne zusätzlichen Kopiervorgang aus. Da ein solcher in der analogen Welt selbst beim Einsatz von Dolby SR mit leichten Klangverlusten einhergeht, dürfte die Überspielung vom Mastertape direkt auf die Lackfolie noch einmal einen klanglichen Zugewinn bringen.

Mastertape-Archäologie

Dank reger Mithilfe Willem Makkees, der bisher alle image hifi-Platten geschnitten hat, brachte ich in Erfahrung, dass auf dem Masterband für die LP „A Swingin’ Safari“ direkt nach dem Titelstück „That Happy Feeling“ zu finden ist – ein Song, der gewiss nicht zu den schlechtesten unserer Collection zählt. Die A-Seite von Four Hits On 45 war also schnell unter Dach und Fach. Da dasselbe Band auch noch „Zambesi“ und gleich anschließend den zweiten für uns unverzichtbaren Titel „Africaan Beat“ enthielt, wähnte ich mich schon am Ende der Suche. Wäre da nur nicht dieses kleine Sternchen hinter „Africaan Beat“ gestanden! Unter „Bemerkungen“ war dann auf dem Bandkarton zu lesen: „* Die Titel wurden in diese Fassung kopiert. B1 = aus N 2439“ Unter dieser Bezeichnung firmiert das Master der LP The Wonderful Sound Of Bert Kaempfert, wo zu den Stücken A4 und B7 vermerkt wurde: „am 1.2.62 ausgetauscht (Neuaufnahmen)“. Die direkte Umgebung von „Africaan Beat“ bilden aber leider „Moonglow“ und „Stardust“, die beide nicht auf unserer Wunschliste stehen, ganz im Gegensatz zu „Where Flamingos Fly“ auf Position A2. Da alle Titel hier, wie es sicht gehört, durch Gelbband getrennt sind, hält es unser Schneideingenieur für vertretbar, A3 für die Überspielung kurzfristig herauszuschneiden. Und so gelangen „Where Flamingos Fly“ und „Africaan Beat“ direkt nacheinander auf den Schneidestichel.

Eine kleine Warnung

In Gröbenzell lauschen Redaktion und Initiator dann gemeinsam dem Probeschnitt: „A Swingin’ Safari“ kommt zwar mit jeder Menge Tieftonenergie rüber, dürfte aber erwachsene Lautsprecher keinesfalls in Bedrängnis bringen, weswegen es genauso einstimmg die Billigung aller Beteiligten erlangt wie „That Happy Feeling“ und „Where Flamingos Fly“. Bei „Africaan Beat“ scheiden sich jedoch die Geister: Der Hochtonbereich ist wahrlich ziemlich giftig. Und das ist einigen Kollegen einfach ein bisschen zu viel des Guten. Allerdings weist der einzige in diesem Moment in meiner Kette montierte Tonabnehmer durchaus einen Hang zur Hochtonanhebung auf, wie ein Ortswechsel schnell klar macht. Gleich nebenan spricht das Benz LP in der Anlage meiner Gattin die erste Anpressung vom Vorwurf eines überzogenen Hochtonbereichs frei, was freilich nicht heißt, dass das obere Frequenzspektrum nun weichgespült und ohne Biss rüberkäme. Das image hifi-Team war sich jedenfalls sehr schnell einig: Wenn das Mastertape bei diesem Song ein wenig Pfeffer in den Höhen hat, soll es bei unser Maxi nicht anders sein. Also sage niemand, wir hätten ihn nicht gewarnt: Beim grob fahrlässigen Umgang mit dem Lautstärkeregler hat 007 durchaus die Lizenz zu töten.

Anmerkung: Der Artikel wurde erstmals in image hifi 1/05 veröffentlicht und für diese Seite leicht überarbeitet.

Playlist

Bert Kaempfert - Four Hits On 45 rpm

Seite A
A Swingin' Safari (B. Kaempfert) 3:07
That Happy Feeling (G. Warren) 2:55
Seite B
Where Flamingos Fly (H. Courlander / E. Thea / J. Brooks) 3:15
Afrikaan Beat (B. Kaempfert) 2:29
Produzent: Dirk Sommer
Schnitt der Lackfolie: Willem Makkee
Pressung: Pallas
sommelier du son ist ein Projekt von Birgit Hammer-Sommer und Dirk Sommer, bei dem sich alles um gute Musik und ihre adäquate Aufnahme und Wiedergabe dreht.
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